Dynamische Themen und Megatrends 2026
Dynamische Themen und Megatrends 2026
Dynamische Themen und Megatrends 2026
Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe Investment Outlook 2026: In einem komplexen Umfeld Katalysatoren identifizieren
Aktuelle Megatrends verändern das Investmentumfeld. Dabei entstehen Herausforderungen und neue Chancen für eine strategische Kapitalallokation. Für Staaten und Unternehmen wird wirtschaftliche Sicherheit 2026 voraussichtlich weiterhin Priorität haben. Dazu tragen nicht zuletzt die turbulente geopolitische Lage, eine neue Handelsordnung, anhaltender Inflationsdruck und die energieintensive Künstliche Intelligenz bei. Gleichzeitig entwickelt sich nachhaltiges Investieren weiter. Dabei rückt zunehmend die Performance in den Fokus. Wir richten unser Hauptaugenmerk auf Themen wie erneuerbare Energien, Stromnetze, Energiespeicherung sowie auf Unternehmen, die zentrale Engpässe lösen, Kosteneinsparungen ermöglichen oder unverzichtbare Komponenten der Wertschöpfungskette bereitstellen.
Wirtschaftliche Sicherheit
Lieferketten, Ressourcen und nationale Sicherheit im Fokus
Nach einem Jahr, das von Schlagzeilen rund um Zölle und Ankündigungen von KI-Investitionen beherrscht war, wird wirtschaftliche Sicherheit 2026 voraussichtlich ein zentrales Thema bleiben. Positiv beeinflusst wird es durch die Resilienz von Unternehmen dank fallender Zinsen. Geopolitische Spannungsherde, NATO-Verteidigungsverpflichtungen und neuer Schwung in den Reindustrialisierungsbestrebungen der USA und Europas machen eines deutlich: Volkswirtschaften und Unternehmen weltweit müssen widerstandsfähige Lieferketten aufbauen, den Zugang zu kritischen Ressourcen sichern und ihre Verteidigungsfähigkeiten stärken. Nach unserer Einschätzung entstehen in diesem Umfeld erhebliche Chancen für aktive Manager, Unternehmen zu identifizieren, die strategisch gut aufgestellt sind, und von ihnen zu profitieren.
Zölle verändern die globalen Handelsströme grundlegend, indem sie Unternehmen veranlassen, die Sicherheit ihrer Lieferketten stärker zu priorisieren. Dies führt zu einer strategischen Verlagerung hin zu kürzeren, resilienteren und verlässlicheren Netzwerken. Diese Transformation ist zwar nicht neu, sie wurde jedoch durch die Einführung von Zöllen und die zunehmenden geopolitischen Spannungen erheblich beschleunigt. Angesichts steigender Kosten, Unsicherheit und Risiken global verteilter Lieferketten bewegen sich Unternehmen zunehmend weg von einem reinen Kostenoptimierungsmodell hin zu einem Ansatz, der Flexibilität und Risikominimierung stärker gewichtet.
Kritische Ressourcen wie Energie und Rohstoffe gewinnen weiterhin an strategischer Bedeutung. Die Verwundbarkeit globaler Abhängigkeiten zeigt sich dabei klar: China kontrolliert rund 60 % der Weltproduktion seltener Erden.1 Etwa 90 % der weltweit fortschrittlichsten Halbleiter, die entscheidend für die künftige Entwicklung der KI sind, stammen aus Taiwan.2 Diese hohe Konzentration unterstreicht den dringenden Bedarf an Ressourcensicherheit und Resilienz innerhalb globaler Lieferketten.
Auch die Dynamik bei den US-Exporten von Flüssigerdgas (LNG) wird voraussichtlich anhalten. Europäische Käufer wünschen eine sichere Versorgung aus befreundeten Ländern, während asiatische Abnehmer umweltschädlichere Energiequellen wie Kohle reduzieren möchten. Die rasant wachsenden Bedarfe der digitalen Wirtschaft erhöhen die Komplexität der Ressourcensicherheit zusätzlich: Rechenzentren verbrauchen derzeit rund 3 % des US-Strombedarfs. Ihr Anteil wird bis 2030 voraussichtlich auf 8 % steigen.3 Gleichzeitig werden Sicherheitsbedrohungen immer größer und komplexer. Es besteht daher ein enormer Bedarf an Investitionen in modernste Verteidigungs- und Cybersicherheitslösungen.

Quellen: Die Zahl 1,7 Billionen USD, die in angekündigte Projekte fließen, stammt von Eaton. Stand: Januar 2025. 3,3 Billionen USD in globale Energie stammt von der Internationalen Energieagentur. Stand: Juni 2025. Über 800 Mrd. EUR EU-Verteidigungsausgaben stammt von der Europäischen Kommission. Stand: März 2025. Nur zur Veranschaulichung.
Diese Trends unterstreichen die Beständigkeit des Themas wirtschaftliche Sicherheit in Industrieländern. Wir bleiben daher von dem langfristigen Wachstumspotenzial der Unternehmen überzeugt, die auf dieses Thema ausgerichtet sind. Positive Signale hinsichtlich des Kapitaleinsatzes und die Bestätigung bestehender Investitionspläne haben die ohnehin schon überzeugende Investmentthese zusätzlich gestärkt. Mit ihrer besonderen Expertise und rigorosen Analysen können aktive Manager Unternehmen identifizieren, die sich nicht nur erfolgreich an diese Veränderungen anpassen, sondern auch erhebliches Wachstumspotenzial besitzen. Das sind Unternehmen, die Lösungen für Ressourcensicherheit, resiliente Lieferketten, Energieunabhängigkeit und nationale Verteidigung bereitstellen.
Nachhaltiges Investieren
Nachhaltiges Investieren wird sich 2026 unseren Erwartungen nach weiterentwickeln. Kennzahlen, Themen und Risiken, die die Performance sowohl an den Public Markets als auch den Private Markets beeinflussen, werden stärker in den Fokus rücken. Verschiebungen in der Politik und eine zeitweise Underperformance nachhaltiger Fonds haben Diskussionen unter Anlegern darüber ausgelöst, ob wir eine strukturelle Abkehr vom nachhaltigen Investieren erleben. Wir glauben das nicht, sondern sehen vielmehr eine Reifung des Segments, bei der Anleger verstärkt die feinen Zusammenhänge zwischen Nachhaltigkeitsthemen und Performance betrachten.
Weniger Labels, mehr Performance
In diesem veränderlichen Investmentumfeld legen wir den Schwerpunkt auf sich beschleunigende Themen innerhalb breiterer Wachstumstrends, insbesondere im Bereich der Energiewende. Dazu zählt die Priorisierung ausgereifter Unterthemen wie erneuerbare Energien, Stromnetze und Energiespeicherung. In diesen Bereichen steigen die Investitionen deutlich, während weniger ausgereifte Bereiche wie Wasserstoff und Carbon Capture einen Rückgang der Investitionstätigkeit erleben.
In einem Umfeld höherer Inflation konzentrieren wir uns außerdem auf Unternehmen, die kritische Engpässe lösen oder erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen. Von Wachstumsmodellen, die stark von Subventionen abhängen bewegen wir uns weg. Darüber hinaus halten wir die Identifikation sogenannter „Pick and Shovel“-Unternehmen, die essenzielle vorgelagerte Elemente in Wertschöpfungsketten bereitstellen, für entscheidend. Das sind vor allem Unternehmen, die über technologische oder Skalenvorteile verfügen.
Wir sind der Ansicht, dass die Energiewende – angetrieben durch den wachsenden Strombedarf – einen ganzheitlichen Investmentansatz erfordert. Dazu gehören CO₂-arme Stromerzeugung, die Elektrifizierung des globalen Verkehrs sowie wichtige Netzmodernisierungen in Schwellen- und Industrieländern, um den steigenden Grundlastbedarf und Versorgungsschwankungen zu bewältigen. Während Technologieunternehmen und Hyperscaler im Wettlauf um die Implementierung der KI stehen, ist aus unserer Sicht die Geschwindigkeit, mit der Strom bereitgestellt werden kann, von zentraler Bedeutung. Diese Dringlichkeit spricht kurzfristig besonders für erneuerbare Energien, da konkurrierende Energiequellen wie Erdgas und Kernenergie derzeit stärkeren Engpässen in der Lieferkette und logistischen Restriktionen unterliegen.
Physische Risiken werden zu einem zunehmend entscheidenden Investitionsfaktor. Trotz steigender klimabedingter Kosten (nahezu 1 Billion USD für Katastrophenhilfe in den USA innerhalb eines Jahres) sind die staatlichen Mittel für Prävention gesunken.4 Nach unserer Einschätzung führt dies zu höheren sekundären und tertiären Kosten, wie etwa Betriebsunterbrechungen und steigende Versicherungsprämien. Folglich müssen Regierungen, Anleger und Unternehmen proaktive Strategien entwickeln, um sich an physische Risiken anzupassen und katastrophenbedingte Verschuldung zu managen.
Chancen angesichts globaler Ressourcenknappheit, verwundbarer Lieferketten und wachsender ökologischer Belastungen bietet die Kreislaufwirtschaft. Dieser Ansatz zielt darauf ab, Materialien im Nutzungskreislauf zu halten und Abfall zu vermeiden. Er schafft strategische Investitionsmöglichkeiten in unterstützende Infrastruktur und Unternehmen, die wertvolle Materialien recyceln. Eine erhebliche Infrastrukturlücke, potenziell verstärkt durch prognostizierte Schließungen von Deponien, macht den dringenden Bedarf an Kreislaufinnovationen deutlich.
Wasserstress ist ein unterschätztes und wachsendes Risiko, das zahlreiche Sektoren betrifft. So befinden sich beispielsweise ein Drittel der weltweiten thermischen Kraftwerke und zwei Drittel der neu entstehenden Rechenzentren in Regionen mit hohem Wasserstress und verbrauchen große Mengen Wasser.5 Branchen wie die Lebensmittelproduktion, die Halbleiterfertigung und der Bergbau sind naturgemäß besonders exponiert. Selbst historisch wasserreiche Regionen sehen sich steigenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit gegenüber, was diese Herausforderung zusätzlich verschärft.
Chancen nach Anlageklassen
Private Equity
Wir sind positiv eingestellt in Bezug auf nachhaltigkeitsorientierte Chancen im Middle Market, der gereift ist. Vor dem Hintergrund höherer Inflation und finanzieller Belastungen werden Anleger voraussichtlich Unternehmen bevorzugen, die effizientere, besser zugängliche und kostengünstigere Lösungen anbieten. Wir sehen eine steigende Zahl profitabler, schnell wachsender Unternehmen, die nachhaltige Produkte und Dienstleistungen in Sektoren wie Abfall- und Materialwirtschaft, nachhaltige Lebensmittel und Landwirtschaft, Ökosystemdienstleistungen und Wasser sowie saubere Energie bereitstellen.
Private Credit
Wir sind der Ansicht, dass nachhaltiges Private Credit aufgrund eines erheblichen Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage nach Fremdkapital im Energiewendesektor ein attraktives Risiko-Rendite-Profil bietet. Reifere Unternehmen suchen zunehmend nach nicht-verwässernden Finanzierungen, um den stark steigenden Energiebedarf zu decken. Dazu tragen Entwicklungen wie Reshoring, Elektrifizierung des Verkehrs und KI/Rechenzentren bei. In der Vergangenheit war nachhaltiges privates Fremdkapital knapp: Seit 2014 wurden lediglich rund 61 Mrd. USD eingesammelt, verglichen mit 781 Mrd. USD im nachhaltigen Private Equity.6 Die begrenzte Verfügbarkeit und der Mangel an spezialisierter Expertise schaffen überzeugende risikobereinigte Chancen. Unternehmen suchen flexible Fremdfinanzierungslösungen, und maßgeschneiderte Strategien in spezialisierten nachhaltigen Segmenten erzielen höhere Prämien.
Infrastruktur
Die Anlageklasse der Infrastruktur benötigt erhebliche Kapitalzuflüsse, um essenzielle Projekte zu finanzieren, die von Megatrends wie KI, Energiewende und Effizienzsteigerungen durch die Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden. Während sich Regierungen und Unternehmen teilweise zurückziehen, eröffnen sich Privatanlegern neue Möglichkeiten. Besonders attraktiv erscheinen uns Value-Add-Chancen im Infrastruktur-Middle-Market. Während Mega-Projekte häufig einem intensiven Preiswettbewerb unterliegen, bietet der Value-Add-Middle-Market aus unserer Sicht günstigere Einstiegspreise, größere Verhandlungsspielräume und attraktive Exit-Optionen.
Green Bonds
Für Anleiheinvestoren kann eine Allokation in Green Bonds eine signifikante Portfoliodiversifikation ermöglichen – ohne Einbußen bei Liquidität oder Renditen. Anleger profitieren von einer Green-Bond-Allokation sowohl aus klassischer Risikomanagement-Perspektive als auch durch eine höhere Nachhaltigkeitsexponierung. Obwohl wir davon ausgehen, dass der Green-Bond-Markt in den kommenden Jahren weiter wachsen und sich stärker differenzieren wird, werden einige Unterschiede zum traditionellen Anleihemarkt unseres Erachtens bestehen bleiben – etwa in der Sektorzusammensetzung. Daher sind wir überzeugt, dass eine eigenständige Green-Bond-Allokation Anlegern auch künftig Diversifikationsvorteile bieten wird.

Quelle: Goldman Sachs Global Investment Research. Stand: August 2025.
Strombedarf und das demografische Dilemma
Die Energiebranchen in den USA und Europa stehen vor einem zentralen demografischen Dilemma: Bis 2030 werden mehr als 750.000 neue Arbeitskräfte benötigt, obwohl die Erwerbsbevölkerung immer älter wird und Fachkräftemangel herrscht.7 Dieser akute Bedarf, insbesondere für komplexe Tätigkeiten im Bereich der Stromübertragung und Netzverbindungen, wird voraussichtlich eine beschleunigte Einführung von Netzoptimierungs- und Automatisierungslösungen vorantreiben. Erneuerbare Energien sind über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Herstellung über Bau und Installation bis hin zu Betrieb und Wartung – durchschnittlich mehr als 2,5-mal arbeitsintensiver als fossile Energieträger.8 Der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften wird damit zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil. Folglich rechnen wir damit, dass größere Unternehmen mit robusten Trainingsprogrammen und fortschrittlichen Produktivitätslösungen einen strukturellen Vorteil erlangen und ihre Umsätze konsolidieren werden.
Drei Schlüsselfragen
Mit Blick auf 2026 ergeben sich für Anleger drei zentrale Fragen in einem sich dynamisch entwickelnden thematischen Umfeld:
1. Welche weiteren Themen sollten Anleger neben wirtschaftlicher Sicherheit und Energiewende im Blick behalten?
Anleger werden ihren Fokus voraussichtlich stärker auf Bereiche wie Kreislaufwirtschaft (Abfall und Grundstoffe), nachhaltige Lebensmittel und Landwirtschaft sowie Ökosystemdienstleistungen und Wasser ausweiten. Wir glauben, dass diese Themen an Bedeutung gewinnen, da Unternehmen Effizienz und Kosteneinsparungen stärker priorisieren, etwa durch die Umwandlung organischer Abfälle in Biomethan und Dünger, den Einsatz von Sensorik zur Wassereffizienz oder den Aufbau von Compliance-Systemen für Umwelt- und Lebensmittel-/Agrarmärkte.
2. Gibt es trotz des Rückbaus klimapolitischer Anreize in den USA weiterhin klimabezogene Investmentchancen?
Wir sehen eine Diskrepanz zwischen Narrativ und Realität. Wir beobachten einen steigenden Strombedarf sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern. Dies treibt die Preise und fördert Investitionen in allen Anlageklassen. Lange Auftragsbestände und steigende Preise für Gasturbinen erhöhen die Attraktivität erneuerbarer Energien aufgrund ihrer Kostenwettbewerbsfähigkeit und deutlich kürzeren Realisierungszeiten. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 entfielen über 90 % der neuen Stromerzeugungskapazität in den USA auf erneuerbare Energien9, wodurch die Nachfrage nach Fremdfinanzierungen für Projekte sowie nach Komponentenlieferanten innerhalb der Wertschöpfungskette steigt.
3. Welche spezifischen Dimensionen physischer Klimarisiken werden 2026 für Anleger besonders relevant sein?
Wir erwarten, dass steigende und volatilere Temperaturen sowie extreme Wetterereignisse im Fokus stehen werden, denn Anleger konzentrieren sich verstärkt auf physische Risiken und Anpassungsstrategien. Auf der Risikoseite werden voraussichtlich höhere Versicherungskosten und steigende Infrastrukturinvestitionen zur Steigerung der Resilienz zu wichtigen Aspekten einer Finanzanalyse. Auf der Chancenseite gehen wir davon aus, dass Anleger verstärkt nach Unternehmen suchen, die Lösungen zur Anpassung an physische Klimarisiken anbieten. Dazu können Unternehmen gehören, die von höheren Ausgaben für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HVAC), Wasser- und Energieinfrastruktur, Küstenschutz, Lebensmittelproduktion oder Katastrophenrisikomanagement profitieren.
1 Internationale Energieagentur (IEA). Stand: Oktober 2025.
2 Boston Consulting Group, Semiconductor Industry Association. Stand: November 2023.
3 Goldman Sachs Global Investment Research. Stand: Oktober 2024.
4 Bloomberg. Stand: 17. Juni 2025.
5 Bloomberg. Stand: 8. Mai 2025.
6 Nachhaltige Strategien umfassen die folgenden Pitchbook-Kategorien: Landwirtschaft, Luft, Biodiversität und Ökosysteme, Klima, Energie, Infrastruktur, Land, Ozeane und Küstengebiete, Verschmutzung, Abfall, Wasser. Private-Equity-Fonds umfassen Private Equity, Venture Capital und Infrastruktur. Stand: 21. Oktober 2025.
7 Goldman Sachs Global Investment Research. Stand: 30. Juni 2025.
8 Goldman Sachs Global Investment Research. Stand: 30. Juni 2025.
9 Federal Energy Regulatory Commission. Stand: Mai 2025.
