Disruptive Technologie

Wie KI Small-Caps beeinflusst

1. Juli 2026 | 4 Minuten Lesezeit
am-ai-small-cap_21-9_1840x788.jpg
Autor(en)
Avatar
Greg Tuorto
Portfolio Manager, Fundamental Equity
Avatar
Jessica Katz
Portfolio Manager, Fundamental Equity

Tech-Giganten dominieren zwar aktuell die KI-Debatte, doch die nächste Generation der Marktführer wird möglicherweise im Small-Cap-Bereich entstehen. In fünf Fragen erläutern wir, warum Halbleiter, Software, Industrie und Biotechnologie Felder sind, die es zu beobachten gilt.

1. Welche Möglichkeiten gibt es, im Small-Cap-Segment auf den KI-Trade zu setzen?

Der Hype rund um KI ist spannend, aber auch volatil. Wir konzentrieren uns auf zwei Dimensionen dieser sich wandelnden Landschaft: zum einen die Ausrüster und Zulieferer hinter dem Infrastrukturaufbau – die sogenannten „Pick and Shovel“-Unternehmen – und zum anderen die Monetarisierung in verschiedenen Sektoren. Unter den „Pick and Shovels“ stechen Halbleiterausrüster besonders hervor. Noch vor zwei Jahren wurde dieser Bereich weitgehend ignoriert. Inzwischen zählt er zu den führenden Marktsegmenten, insbesondere bei den essenziellen Werkzeugen, die die Herstellung von GPUs und anderen KI-Chips unterstützen. Ein unterschätzter Treiber ist hier der Speicherbedarf: Er ist zu einem wesentlichen Kostenfaktor geworden, da große Sprachmodelle sowohl lokal als auch im Rechenzentrum enorme Kapazitäten benötigen. Das schafft Chancen sowohl bei Speicheranbietern als auch bei den Halbleiterausrüstern, die diese Skalierung ermöglichen. 

Die zweite Dimension ist die Monetarisierung: Software- und Infrastrukturunternehmen verwandeln KI zunehmend in neue Einnahmequellen, etwa durch Angebote wie Modellsicherheit oder vorhersagende Analysen. Da sich die einzelnen Ebenen des Technologie-Stacks unterschiedlich schnell entwickeln, können aktive Manager hier gezielt Chancen nutzen.

2. Wo liegen die wichtigsten Chancen für die Monetarisierung der KI?

Wir suchen gezielt nach Unternehmen, die mit KI völlig neue Einnahmequellen erschließen, statt lediglich interne Prozesse zu optimieren. Diese Investmentmöglichkeit finden wir häufig bei Lieferkettenplattformen, die von der Flut an Rohdaten durch maschinengesteuerte Entscheidungen, Ausnahmefälle und Ausführungspfade infolge von KI-generiertem Code profitieren. Diese Plattformen müssen sich mit den resultierenden Komplexitäten und Risiken auseinandersetzen. Dabei entstehen margenstarke Produkte rund um die Sicherheit von KI-Modellen und KI-Governance.

3. Welche Auswirkungen hat die Entwicklung der KI auf den Industriesektor?

Im Verteidigungsbereich und im Industriesektor insgesamt erleben wir derzeit eine der disruptivsten Phasen der jüngeren Geschichte. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie all diese Themen zunehmend ineinandergreifen. Im Verteidigungssektor reicht die Nachfrage inzwischen weit über traditionelle Programme hinaus. KI-gestützte Fähigkeiten, weltraumgestützte Aufklärung und Echtzeitdaten gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dadurch wachsen Bereiche wie Satellitenbildgebung, Radar und neu entstehende Raumfahrtunternehmen besonders schnell, die sowohl staatliche als auch kommerzielle Endmärkte bedienen. 

KI lässt außerdem die Stromnachfrage stark steigen. Das befeuert Investitionen in den Netzausbau, in Behind-the-Meter-Stromversorgung und in Kühlinfrastruktur, um Rechenzentren und generell die Elektrifizierung zu unterstützen. Parallel zu diesen strukturellen Verschiebungen zeichnet sich eine zyklische Erholung ab. Die positive Dynamik greift zunehmend über Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung hinaus auf Bereiche wie Baumaschinenvermietung, Industriedienstleistungen und sonstige Endmärkte über. 

4. Inwiefern beeinflusst KI-Infrastruktur den Biotech-Bereich?

Besonders bemerkenswert finden wir die Konvergenz zwischen KI-Infrastruktur und Biotech-Innovation. Dieselben Hochleistungsrechenkapazitäten, die KI-Workloads antreiben, werden zunehmend auch für computergestützte Biologie, das Design klinischer Studien und die Wirkstoffforschung unverzichtbar. Je stärker KI die Arzneimittelentwicklung durchdringt, desto mehr wird Biotechnologie zu einem natürlichen Nutznießer und zu einem hochwertigen Endmarkt für diese Investitionen. Gleichzeitig steht die Biotech-Branche vor einer neuen Innovationsphase. Nach dem starken Boom 2020 und 2021 war es relativ ruhig geworden. Eine Erholung der M&A-Aktivität deutet nun jedoch auf die Frühphase eines neuen IPO-Zyklus hin, oft angeführt von erfahrenen Managementteams, die so etwas bereits durchlaufen haben. 

5. Wie lassen sich Risiken im Biotech-Sektor steuern und Alpha-Chancen erschließen?

Unser Vorteil bei Biotech-Investments beruht unserer Ansicht nach auf einem disziplinierten, langfristigen Ansatz. Wir betrachten den Sektor aus der Perspektive der Risikomodellierung und nicht nur rein wissenschaftlich. Statt auf frühe oder binäre Ergebnisse zu setzen, konzentrieren wir uns auf Bereiche, in denen der Markt Risiken falsch einpreist. Das gilt besonders nach wichtigen klinischen oder regulatorischen Ereignissen, nach denen Risiken bereits deutlich abgebaut wurden. Die Ideengenerierung erfolgt nach einem Bottom-up-Ansatz und orientiert sich an konkreten Katalysatoren. 

Wir setzen eine Vielzahl technologischer und analytischer Methoden ein, um klinische und regulatorische Meilensteine aktiv zu verfolgen, uns im gesamten Biotech-Ökosystem zu vernetzen und einen breiten Ideenpool zu pflegen. So können wir selektiv vorgehen, sobald sich Wendepunkte abzeichnen. Wir suchen gezielt nach asymmetrischen Chancen, bei denen sich verbessernde Daten oder eine bessere Ausführung die Ergebnisse deutlich verändern können, etwa bei differenzierten Therapien oder skalierbaren Plattformen wie Royalty-Modellen in der Spätphase. Unser Ziel ist ein wiederholbarer Prozess, der Alpha durch den Kauf von Resilienz und Aufwärtspotenzial erschließt. Dabei verfolgen wir einen langfristigen Blick: Wert entsteht durch Fortschritt, nicht durch einzelne Ereignisse.

M&A betrachten wir als Bestätigung, nicht als Investitionsgrund an sich. Im Fokus stehen risikoreduzierte Vermögenswerte in einer späten Entwicklungsphase, hinter denen differenzierte wissenschaftliche Erkenntnisse stehen und die für sich allein bestehen können. Die Investition funktioniert also auch dann, wenn es nie zu einem Deal kommt. Viele dieser Unternehmen sind wenig erforscht, im Inland tätig und verbinden Innovation durch Rechenleistung mit dem Gesundheitswesen. Das passt hervorragend zu unserem breiteren Small-Cap-Fokus.

 

Wenn Sie die nächste Generation von Small-Cap-Marktführern entdecken möchten, unterstützt Sie unser Public Equity Team gerne.

Autor(en)
Avatar
Greg Tuorto
Portfolio Manager, Fundamental Equity
Avatar
Jessica Katz
Portfolio Manager, Fundamental Equity
Wir sind für Sie da
Kontaktieren Sie Goldman Sachs Asset Management, um Ihre Anforderungen und Bedürfnisse im Detail zu besprechen.
card-poster